Experimentierfeld für nachhaltiges Leben

Wie sieht ein nachhaltiges Leben aus, bei dem Mensch und Natur im Einklang sind? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen. Klimakrise, Corona-Epidemie, wir gehen momentan durch turbulente und herausfordernde Zeiten. Wie wir sind viele der Meinung, dass grundlegende Veränderungen notwendig sind. Die meisten der heutigen Lebensmodelle geben keine Antworten auf die großen Fragen des gerade begonnenen dritten Jahrtausends. Gewohnt wird, obwohl verdichtet auf engem Raum, oft vereinzelt, Nachbarschaften werden nur sporadisch aktiv gelebt. Die einzelnen Generationen leben oft getrennt voneinander, die Kleinfamilie gilt als das Idealmodell unserer Gesellschaft. Dabei wissen wir, dass gerade Kinder es in größeren Bezügen oft viel leichter haben, sich zu orientieren und Vorbilder und Gleichgesinnte beim Größerwerden zu finden. Die Älteren sehnen sich oft nach mehr Kontakt zu anderen Menschen nicht nur der eigenen Generation, leben jedoch häufig alleine, die Enkel sind weit weg. Der Lebensabend wird dann in mehr oder weniger komfortablen Seniorenresidenzen verbracht.

Die globalisierte Marktwirtschaft liefert uns alles zu jeder Zeit, ist jedoch nur erfolgreich, wenn sie immer weiter wächst. Aber wohin? Verlieren wir den Bezug zu dem was wir wirklich brauchen und was uns glücklich macht? Ein Dach, gute Nahrung und nette Menschen die uns umgeben, reicht das vielleicht schon?

Mit unserer Idee des urbanen Dorfs wollen wir ein Experimentierfeld für nachhaltiges Leben in Gemeinschaft schaffen. Im Mittelpunkt steht dabei die Idee eines solidarischen Zusammenlebens in der Tradition einer dörflichen Gemeinschaft. Ein sinnerfülltes Miteinander von jung und alt, das Leben begrüßen und das Leben verabschieden.

In der praktischen Umsetzung planen wir in ökologischer Bauweise möglichst CO2 sparend, oder, noch besser, C02 speichernd, Mehrfamilienhäuser für ca. 80 bis 100 Menschen zu errichten. Dorfcafe, Garten, Bildungs- und Werkstätten schaffen nicht nur bezahlbaren Wohnraum, sondern auch Raum für Kreativität und gemeinsame Entfaltung.

Wir wollen ein Zentrum der Begegnung und der Inspiration werden, um miteinander in Beziehung zu gehen und Visionen zu weben…als Einladung an uns und alle anderen neugierigen Mitmenschen aus der Umgebung.

Auf unserem Acker werden wir Waldgärten anlegen und nach dem Prinzip solidarischer Landwirtschaft Obst, Gemüse, Nüsse und andere Nahrungsmittel erzeugen. Gute Nahrung für uns und andere aus der direken Umgebung. Auch soll ein Experimentierfeld für die Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft entstehen.

Eine wichtige Rolle spielt die Interaktion mit den Menschen vor Ort und des urbanen Großraums Hamburgs.

Gemeinschaft als Weg

Sich gegenseitig inspirieren, zusammen Ideen entwickeln und daraus Projekte umsetzen, Erfahrungen austauschen und voneinander lernen, uns je nach Fähigkeiten und Vorlieben unterstützen und helfen, mit Offenheit und Verantwortung einander begegnen, zusammen unseren Alltag verbringen und den Feierabend genießen, zusammenleben und lebendig miteinander wachsen, Lebensbedingungen schaffen, die den Bedürfnissen der Gemeinschaft und des Einzelnen entsprechen. All dies können Bestandteile innerhalb unserer dörflichen Gemeinschaft werden.

Solidarisches Miteinander heißt für uns, sich für einander zu interessieren. Daher möchten wir in unserem Dorf Räume und Begegnungsorte schaffen, wie zum Beispiel einen kleinen Dorfplatz für Feste und Veranstaltungen, eine gemütliche Café-Bar, einen Kinderspielplatz für die Kleinen, aber auch einen ruhigen und gemütlichen Bereich im Garten zum Lesen und Ruhen, eine Sauna, eine Bibliothek, ein Musikzimmer, einen Multifunktions-Bewegungsraum.

Auch die Menschen des Ortes sollen ein wichtiger Teil unserer erweiterten Gemeinschaft werden. Wir möchten sie einladen zu unseren Festen. Carsharing, solidarische Landwirtschaft, Selbstversorgerladen und andere Projekte sollen offen für alle sein, dabei profitieren wir gerne von der Erfahrung und Vielfalt der Umgebung, zum Beispiel beim Verarbeiten von geerntetem Gemüse und Obst.

Gemeinschaft als Weg

Leben und Arbeiten

In einem lebendigen Dorf erwacht das Leben nicht erst nach Feierabend. Wir streben eine gesunde Mischung von Leben und Arbeiten an, daher wollen wir die Infrastruktur für unterschiedliche Tätigkeiten schaffen. Ob Bildungs- und Werkstätten, Shared Office, Café oder »Tante Emma Laden« – all diese Einrichtungen sind für uns wichtige soziale Schnittpunkte des täglichen Lebens im Dorf. Es sollen Orte regen Austausches innerhalb der Gemeinschaft, mit dem Ort sein und allen Einblick in verschiedene Arbeitswelten bieten. Wir sehen unterschiedlichste Beschäftigungsmöglichkeiten sowohl im gewerblichen als auch im Dienstleistungsbereich. Es handelt sich hierbei allerdings um mehr als klassische Erwerbsarbeit. Wir wollen Eigeninitiative, Mitarbeit, Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement leben.

Das Foto zeigt einen Imker mit einem kleinen Mädchen

Wohnen und Bauen

Wir planen den Erwerb eines Baugrundstücks, gerne mit vorhandenem Bestand um sofort loslegen zu können. Für Gärten und Landwirtschaft benötigen wir Garten- und Ackerflächen in der direkten Umgebung. Auf dem Grundstück wollen wir Wohngebäude errichten, einen lebendigen, nach ökologischen sinnvollen Kriterien gestalteten Garten anlegen und eine Solidarische Landwirtschaft aufbauen.

Der Wohnraum wird weitestgehend an unsere individuellen Bedürfnisse (z.B. schwellenfrei und barrierearm) angepasst. Die bevorzugte Wohnform ist das Mehrfamilienhaus, was den Vorteil bietet, dass es besonders kosten- und energieeffizient gebaut werden kann und im Vergleich zu anderen Hausformen weniger Grundfläche benötigt.

Die Wohnraumstruktur wird idealerweise so gestaltet, das sie innerhalb der einzelnen Wohnungen auch nach dem Bau veränderbar ist. Die Gebäude werden nachhaltig gebaut, wie zum Beispiel durch den Einsatz von Regenwasseraufbereitungs- und Solaranlagen. Innovative Bauweisen ermöglichen Häuser im Passivhausstandard bei vergleichsweise geringen Baukosten, niedrigem Ressourcenverbrauch und hervorragender Bauökologie. Als Baustoffe sollen vorwiegend regionale Baustoffe mit einer guten Energiebilanz wie Holz, Stroh und Lehm zum Einsatz kommen. Das Ziel ist, bei der Errichtung der Gebäude möglichst viel CO2 langfristig zu speichern anstatt Baustoffe zu verwenden, die bereits in ihrer Herstellung viel CO2 verbrauchen. Die Bauformen und Anordnungen der Gebäude enthalten gemeinschaftsfördernde Elemente wie z.B. einladende Eingangsbereiche, Laubengänge und Plätze, die zum Verweilen einladen, aber auch private Rückzugsbereiche für die individuelle Entfaltung und Erholung.

Die Baukosten werden eine besondere Rolle spielen, da wir auch für Menschen mit wenig oder keinem Eigenkapital attraktiven Wohnraum schaffen wollen. Hierfür sind individuelle Planungen für die einzelnen Häuser vorgesehen, um auch beispielsweise durch Eigenleistung signifikant Baukosten reduzieren zu können. Gemeinschaftsräume werden anteilig von den Mitgliedern über die genutzte Wohnfläche finanziert.

Um ein architektonisch attraktives Gesamtbild zu erhalten, werden die Gebäude in der Gestaltung an die Umgebung angepasst, so dass bestimmte gestaltende Merkmale (Materialien, Farben, Oberflächen, Stilelemente) vorgegeben sind.

Wohnen und Bauen. Foto: Rene Olszowka
Wohnen und Bauen. Foto: Katharina Lange
Wohnen und Bauen. Foto: Katharina Lange

Alt und Jung und alles dazwischen

Alt und jungEin Leben im Alter kann für uns alle eine Herausforderung werden. Umso mehr sehen wir große Chancen und einen hohen Mehrwert im altersübergreifenden Zusammenleben. In unserer Gemeinschaft sollen die Fähigkeiten und Talente Aller für Alle eingebracht, weitergegeben und weitergetragen werden. Unsere Kinder können von einer Vielzahl an Einflüssen und Vorbildern profitieren und die Älteren werden auch nach ihrer Erwerbstätigkeit weiterhin gebraucht und in ein gemeinschaftliches Leben eingebunden.

Um das Leben im Alter in den eigenen vier Wänden und im vertrauten Umfeld zu vereinfachen, wird ein Teil der Wohnungen barrierefrei gebaut. Auch möchten wir Wohnungswechsel innerhalb der Gemeinschaft ermöglichen, bei sich ändernder Familienkonstellation, damit eine stetige Anpassung an die eigenen Lebensphasen geschehen kann.

In einer gelebten und umsorgenden Nachbarschaft wollen wir uns nicht nur um unsere eigenen (jüngeren und älteren) Angehörigen kümmern, sondern fürsorgliche Aufgaben auch für die Gemeinschaft übernehmen (zum Beispiel gemeinsames Mittagessen/ Hausaufgabenbetreuung/ Arztbesuche/ Einkäufe/ Pflege und vieles mehr), soweit dies in unseren Möglichkeiten liegt, gegebenenfalls kann professionelle Hilfe für unsere pflegebedürftigen Mitglieder organisiert werden. Eltern können durch die Dorfgemeinschaft und Nachbarschaftshilfe entlastet werden.

Kinder sind ein wesentlicher Bestandteil des urbanen Dorfes und tragen zur Lebendigkeit bei. Sie sollen in unser Gemeinschaftsleben mit einbezogen werden und aktiv am Geschehen teilhaben können – sie sollen ihre Wünsche, Konflikte, Meinungen, Ideen, Ängste und Bedürfnisse äußern können. Dieses könnte zum Beispiel in einer regelmäßig stattfindenden, selbstorganisierten Kinderkonferenz stattfinden. Die Kinder erleben so die Wirkungen von Selbst- und Mitbestimmung, Eigen- und Mitverantwortung und können gestärkt ihr Leben gestalten und ihren Weg gehen.

Finanzierung

FinanzierungWir haben ein Finanzierungsmodell entwickelt, welches sich individuell an den finanziellen Möglichkeiten der Mitglieder und Mitgliederinnen orientiert. Für jede Partei wird ein individueller Finanzierungsplan entwickelt. Hierbei ist unser Ziel, dass sowohl Menschen mit viel als auch Menschen mit wenig Eigenkapital gleichberechtigt in unserer Gemeinschaft einsteigen können.

Unseren jeweiligen individuellen Wohnraum wollen wir aus einer Kombination aus Geschäftsanteilen (75 Prozent) und Nutzungsentgelten (25 Prozent) finanzieren. Das von allen aufgebrachte Eigenkapital wird über alle Parteien gepoolt und Fehlendes über Bankkredite ergänzt.

Wer zu Beginn nicht genug Geschäftsanteile zeichnen kann, kann diese Anteile im Laufe der Jahre durch ein erhöhtes Nutzungsentgelt »ermieten«. So ergeben sich individuelle Nutzungsentgelte, zusammengesetzt aus einem Basiswert für die Grundstücks- und Gemeinschaftskosten sowie dem Anteil zur Tilgung der Geschäftsanteile. Sind die Geschäftsanteile alle eingezahlt bzw. getilgt, reduziert sich das Nutzungsentgelt auf den Basiswert, der für alle gleich ist. Hierdurch ist günstiger Wohnraum nach Abzahlen der Geschäftsanteile für jeden garantiert. Scheidet jemand aus dem Projekt aus, können die bis dahin erwirtschafteten Geschäftsanteile mitgenommen werden. Die Kosten für Gemeinschaftsräume und -flächen (ca. zehn Prozent der Gesamtkosten) werden anteilig auf die privat genutzte Wohnfäche umgelegt. Der Gesamtbesitz verbleibt immer in der Gruppe. So wird Spekulation verhindert und die Gruppe kann bei Ein- und Auszug immer entscheiden, wer die neuen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner sein werden.

Rechtsform

Wir wählen die GmbH & Co. KG als Organisationsform. Hierin sehen wir die beste Möglichkeit, die gemeinschaftlichen und individuellen Bedürfnisse aller zu vereinen. Die GmbH & Co KG wird als Unternehmen ohne Gewinnorientierung geführt, jede Bewohnerin und jeder Bewohner beteiligt sich als Kommanditistin/Kommanditist durch Zeichnung von Geschäftsanteilen daran und entscheidet gleichberechtigt mit allen anderen Bewohnerinnen und Bewohnern über die Belange der Gesellschaft. Dabei hat jede Person wie in einer Genossenschaft eine Stimme. Zusätzlich wollen wir einen gemeinnützigen Verein für unsere ökologischen und sozialen Projekte im Dorf gründen.

Urbanes Dorf, Rechtsform

Gärten und solidarische Landwirtschaft

Neben unserem Erholungsgarten, der direkt im Bereich der Wohngebäude liegen wird, ist uns der Aufbau möglichst vielfältiger Nutzgärten ein besonderes Anliegen. Deshalb werden wir in unmittelbarer Umgebung weitere Ackerflächen langfristig pachten. Dort wollen wir Gemüse-, Kräuter-, Obst- und Waldgärten so anlegen , dass wir uns langfristig zu einem großen Teil selbst versorgen können. Nach dem Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) wollen wir eine Lebensmittelversorgung für uns und die Umgebung aufbauen. Außerdem wollen wir die Möglichkeit schaffen, an nachhaltigen Formen zukünftiger Landwirtschaft zu experimentieren, beispielsweise das Anlegen von Waldgärten oder den gezielten Humusaufbau zur langfristigen CO2-Speicherung durch spezielle Formen der Umlauf-Weidewirtschaft. Ob Aquaponik-Kultur, Photovoltaik-Gewächshäuser mit Citrus-Kulturen, Ideen haben wir viele, und vielleicht entsteht ja bei der Veredelung unserer Nahrungsmittel so manche weitere (Geschäfts-)idee …

Solidarische Landwirtschaft

Jede Familie hat zwei Autos und noch eins für die Kinder, sobald sie dürfen? Da wäre unser Grundstück ja zur Hälfte Parkplatz. Wir definieren Mobilität anders. Ein Transporter zum Transportieren, ein Familienauto für den Ausflug, ein kleines Mobil auf zwei oder vier Rädern zum Pendeln. Ein E-Bike für längere Strecken mit dem Rad. Ein Lastenrad für den Einkauf. Am Bahnhof steht ein Dorfrad für den Heimweg. Alles möglichst emissionsarm, geladen an unseren Solardächern. Wir beschaffen genau die Fahrzeuge, die wir brauchen und am liebsten benutzen. Durch alle für alle. Das Teilen erhöht die Auslastung und reduziert die Kosten. Und der Parkplatz bleibt Garten, ist das nicht eine »Win-Win-Win« Geschichte? Und vielleicht hat ja ein Nachbar auch genug von zwei oder drei Autos auf dem Hof und macht bei uns mit.

Mobilität. Die Grafik von Frank Walesky-Schweppe zeigt stilisiert ein Auto aus Menschen nachgebildet.

Suche nach Hof oder Grundstück

(im Süden des Hamburger Raumes)

Wir sind eine kleine solvente Baugruppe auf der Suche nach einem Hof oder Grundstück ab vier Parteien. Die Grundstücksgröße ist nach oben offen…

Wir sehnen uns nach einer lebendigen Gemeinschaft im ländlichen Raum und möchten in ökologischer Bauweise  bauen oder sanieren. Wir suchen ein großes Grundstück (gerne mit Bestand) oder  einen Hof (gerne für derzeitige Eigentümer mit lebenslangem Wohnrecht) – Interesse haben wir auch an zusätzlichem Ackerland.

Wir freuen uns über alle Hinweise und Angebote! Kontaktadresse: info@urbanesdorf.de.